Vereinigte Schiffervereine von Alsleben und Umgebung

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    Schiffshebewerke Magdeburg-Rothensee

    Der schwierige Weg bis zur saisonalen Wiederinbetriebnahme des

    Schiffshebewerkes Magdeburg-Rothensee ab 2013

    Von Lothar Tölle

    Als das bis Ende 2005 noch voll in Betrieb befindliche Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee aus verschiedenen Gründen außer Betrieb genommen wurde, erhob sich eine Welle des Protestes sowohl in der Bevölkerung der Region als auch in der Fachwelt, da die offiziellen Begründungen allgemein als undurchsichtig und nicht nachvollziehbar wahrgenommen wurden. Insbesondere deshalb, da man noch bis wenige Jahre zuvor offiziell von einem 25- bis 30-jährigen Weiterbetrieb ausging und auch entsprechende Instandhaltungs- und Erneuerungsarbeiten genehmigt und finanziert worden waren. Dies sollte nun alles nicht mehr gelten und der Schließung zugrunde gelegte Berechnungen des kritisierenden Bundesrechnungshofes zur angeblichen Unwirtschaftlichkeit wurden seltsamerweise von diesem sogar gegenüber dem zuständigen Ministerium nach dessen eigener Aussage nicht offengelegt.

    Es sei hier nur noch einmal kurz an den Verlauf der ersten Protestwelle mit rd. 56.000 Unterschriften erinnert, die vom Oberbürgermeister gemeinsam mit ca. 100 Teilnehmern

    in einer Protestaktion vor dem Verkehrsministerium in Berlin dort übergeben wurden.

    Auch die umgehende Gründung einer städtischen „Arbeitsgruppe Schiffshebewerk“ und des „Fördervereins Technische Denkmale in Sachsen-Anhalt e.V.“ bereits im Frühjahr 2006 hatte in diesen Protesten ihren Ursprung, und dieser Verein hat in gegenseitiger Unterstützung mit der Stadt gemeinsam über viele Jahre das Thema unermüdlich wach gehalten und mit seinen Aktivitäten befördert. Das jahrelange Wechselspiel ist auch in der Magdeburger Volksstimme immer wieder aufgegriffen und dargestellt worden und soll hier nicht im einzelnen wiederholt werden. Auch ein von Stadt und Förderverein zunächst angestrebter saisonaler Weiterbetrieb durch die WSV gegen Kostenerstattung wurde 2011 endgültig abgelehnt und dafür die inzwischen vereinbarte Pachtlösung angeboten.

    Zum Zeitpunkt der Stillegung Ende 2005 bzw. nach einem nochmaligen geplanten ca. 6-wöchigen Ersatzbetrieb im Mai/Juni 2006 während der Gewährleistungsinspektion der im Mai 2001 in Betrieb gegangenen Sparschleuse Rothensee war dieses Hebewerk das einzige auf der Welt überhaupt noch betriebene Schwimmer-Hebewerk. Das viel jüngere Schwimmerhebewerk ähnlicher Bauart (errichtet 1962) in Henrichenburg am Dortmund-Ems-Kanal war bereits einige Zeit vorher außer Betrieb genommen worden und ist seitdem mangels Bedarfes und zu hoher Reparaturkosten ebenfalls stillgelegt.

    Das Schiffshebewerk Rothensee war zum Zeitpunkt seiner Eröffnung am 30.10.1938 das erste

    und lange Zeit einzige Zwei-Schwimmer-Hebewerk der Welt und ist nun als einziges hoffentlich in Kürze wieder betriebsfähig. Doch nicht nur das weltweit erstmalig angewandte Zwei-Schwimmer-Prinzip, sondern auch etliche andere maschinen- und bautechnische Besonderheiten (heute würde man von Innovationen sprechen) prägten dieses einzigartige Bauwerk.

    Eine organisatorische und verwaltungstechnische Besonderheit für den erhofften Weiterbetrieb ist nun der bemerkenswerte Umstand, dass die Landeshauptstadt Magdeburg seit Mitte 2012 das Schiffshebewerk (SHW) Rothensee offiziell zu einem symbolischen Preis von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), bzw. von deren örtlich zuständiger Unterbehörde Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Magdeburg für den saisonalen Weiterbetrieb gepachtet hat, nachdem das SHW für den Güterschiffsverkehr entwidmet worden war. Dieser Weg wird erstmalig in der Bundesrepublik bzw. der WSV für ein derartig großes Sonderbauwerk beschritten und ist letzten Endes in erster Linie der Beharrlichkeit der Stadtverwaltung mit ihrem Oberbürgermeister an der Spitze zu verdanken, welche trotz der mehrfach wechselnden Vorschläge aus dem Bundesverkehrsministerium an einem saisonalen Weiterbetrieb des SHW festgehalten haben. Man muss allerdings auch dem Bundes-Ministerium zugute halten, dass die Überlassung eines derartigen Bauwerkes für einen weiteren Betrieb an einen Dritten etwas ziemlich Neues war. So waren dem örtlichen WSA Magdeburg in Bezug auf eine laufende Unterhaltung während der jahrelangen Verhandlungszeiten bis auf turnusmäßige Bewegungsfahrten leider die Hände gebunden, so dass das Hebewerk zum Zeitpunkt der Übergabe 2012 gegenüber dem Zustand von 2006 quasi nicht mehr voll funktionsfähig war, was sich jetzt in einem erhöhten Reparatur-Aufwand zur Wiederinbetriebnahme niederschlägt.

    Auch für eine Stadt wie Magdeburg mit ihrer kommunalen Verwaltung ist dies absolutes Neuland. Dies war bisher auch nur durch den guten Konsens mit dem Stadtrat und dank starker Unterstützung durch das Landesverkehrsministerium sowie die regionalen Körperschaften und Vertretungen des Umlandes zu verwirklichen. Um die betriebsorganisatorischen, finanziellen und prüfungstechnischen Belange klar regeln zu können, musste eine spezielle Rechtsform gewählt werden. Der Stadtrat hat deshalb in seiner Sitzung am 05. Juli 2012 einstimmig die Gründung der „Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee, nicht rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts der Landeshauptstadt Magdeburg“ beschlossen. Die Anstaltsatzung wurde am 05.10.2012 im Amtsblatt der Landeshauptstadt veröffentlicht. Sie war damit wirksam und ist auch von der WSV juristisch anerkannt. In dieser Anstalt unter dem Dach des Dezernates für Wirtschaft, Tourismus und Regionale Zusammenarbeit ist das neue Betriebspersonal eingegliedert und inzwischen wurde auch ein begleitender Verwaltungsrat beigestellt, in dem u.a. auch je ein Teilnehmer der im Stadtrat agierenden Parteien vertreten ist.

    Alle diese vielen Einzelschritte, von den ersten Verhandlungen über den Vertragsabschluss, die Finanzierungs- und Organisationsregelungen bis zur Einstellung von drei neuen Mitarbeitern inclusive Betriebsleiter für das SHW im September/Oktober2012 mussten jeweils vorher vom Stadtrat abgesegnet werden. Dies schien zwar langwierig, war aber wegen der Rechtssicherheit und Akzeptanz, gerade in diesem besonderen Fall, ein unbedingt notwendiger Vorgang und wurde rückblickend im kürzestmöglichen Zeitrahmen absolviert. Nun besteht also die berechtigte Hoffnung und Erwartung, dass das Schiffshebewerk für die Sport- und Freizeitschifffahrt, insbesondere auch für die Weisse Flotte, am 24. August 2013 wieder eröffnet werden kann, was den Erlebniswert für den Tourismus erheblich steigert. Darüberhinaus wird es auch als lebendiges Anschauungsobjekt nicht nur für den Techniker- und Ingenieurnachwuchs dienen können und wenn es gelingt, kann man fast sicher sein, dass dafür die nationale und internationale Aufmerksamkeit sehr groß sein wird!

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    Mehr über das Schiffshebewerkes Magdeburg-Rothensee






    Veröffentlicht am:
    16:39:18 05.02.2013

    Autor:
    Lothar Tölle

    Letzte Aktualisierung
    16:40:18 05.02.2016