Vereinigte Schiffervereine von Alsleben und Umgebung

"Undine e.V." von 1823 zu Alsleben / Saale

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    Schiffe auf Reise

    In den frühen Morgenstunden des 15. Mai 1977 sichteten Leipziger Bürger auf einem Parkplatz des Vorortes Leutsch tatsächlich Schiffe. Genau zwei Jahre zuvor wurde der eine der beiden schnittigen „Dampfer“ in der Elbewerft Dresden Laubegast auf Kiel gelegt. Am 07. September 1976 taufte es die Oberschülerin Kathrin Sterl auf den Namen „Gera“ und am 11. Dezember 1976 begann schließlich seine Jungfernfahrt elbeabwärts in Richtung Heimathafen. Obwohl Werftkapitän Dietmar May den festgelegten Kurs präzise eingehalten hatte, vergingen vom Ablegen in Dresden bis zum „Ankern“ in Leipzig mehr als fünf Monate, wobei in dieser Zeit nur etwa dreihundert Kilometer zurückgelegt wurden.

    Schiffe auf Rädern (1977) - MS Gera

    Nebel, Schneeregen und eisiger Wind, waren Begleiter auf der ersten 3-Tage-Etappe von Dresden zum Werfthafen in Alsleben/Saale, waren nur ein Vorgeschmack auf die kritischeren Etappen. Vom Saaleufer waren immerhin noch etwa 400 km Straße, Autobahn und Feldwege zu überwinden. Bevor die „Gera“ als stolzes Flaggschiff der „Thüringer Gebirgsmarine“ (Auftrag-geber VEB Kraftverkehr Schleiz) in der Bleilochtalsperre bei Saalburg wieder eine Handbreit Wasser unter den Kiel bekam.

    Bereits bei der Auftragsübernahme war den Fachleuten vom VEB Schwertransport Leipzig klar, daß diese Aktion alle bisher gemeisterten an Schwierigkeiten weit übertreffen würde. Mehrere Streckenvarianten wurden erwogen, genau karthographiert, im Detail vor Ort vermessen und schließlich doch wieder verworfen. Niedrige oder nicht tragfähige Brücken oder zu enge Ortsdurchfahrten versperrten dem Schiff (Länge 42 m, Breite 6,22 m, Höhe 5 80 m Masse 110 t. ) irgendwo immer die Durchfahrt. Erst die dritte in Erwägung gezogene Trasse versprach Erfolg. Inzwischen war noch ein zweites Schiff, die für den Stausee Pöhl im Bezirk Karl-Marx-stadt (heute wieder Chemnitz) bestimmte Motorbarkasse „Jocketa“ (Länge 28,00 m, Breite 5,40 m, Höhe 5,40 m, Masse 70 t.), von der VEB Yachtwerft Berlin fertiggestellt und in Alsleben/Saale auf den Landtransport vorbereitet worden.

    Am 12. Mai 1977 setzte sich der Konvoi planmäßig in Bewegung. Zehntausende Schaulustige säumten unterwegs die Straßen. Der viel fotografierte Transportzug mußte zahlreiche tückische Fassagen überwinden. In Braschwitz und Hohenthurm mußten die elektrischen Fahrleitungen der wichtigen Eisenbahnstrecken nach Berlin und Magdeburg für längere Zeit abgeschaltet und beträchtlich angehoben werden. Der Forstspezialist Egon Higeist bewies beim aussägen von Bäumen mehr als einmal artistisches Können, wie auch die vier Zugmaschinenfahrer vom Schwertransport, die sich im Cockpit ihrer 450 PS-Brummer stundenweise ablösten. Erst nach 10 Tagen Schwerstarbeit kam für die Mannschaft der „Gera“ „Wasser in Sicht“. Am 22. Mai 1977, nachmittags gegen 17.00 Uhr hatte das Schiff etwas zerschrammt, in Prinzip aber unversehrt sein Ziel, die Saalburger Werft erreicht. Die „Jocketa“ ankerte zu diesem Zeitpunkt bereits im Hafen von Meschwitz auf der Talsperre Pöhl.

    Fritz Kutzscher technischer Leiter des VEB Schwertransport Leipzig und Kapitän der 10 Tage-Fahrt, antwortete auf die Frage: Wann transportieren Sie die nächsten Schiffer? „Ruderboote vielleicht, Schiffe nie wieder! Seine Entrüstung war nur gespielt, denn Kutzschers „Kutscher“ gelten bei Schwertransportkunden nicht nur in der DDR, sondern auch in Ausland als risikofreudige, gewissenhafte, einsatzbereite Partner.

    (Uwe Gerig)






    Veröffentlicht am:
    16:36:36 05.02.2003

    Autor:
    Uwe Gerig

    Letzte Aktualisierung
    16:37:33 05.02.2016