Vereinigte Schiffervereine von Alsleben und Umgebung

"Undine e.V." von 1823 zu Alsleben / Saale

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    Seitenraddampfer "Württemberg"

    Der SD "Württemberg" wurde in den Jahren 1908/1909 auf der Werft "Gebrüder Sachsenberg" in Roßlau im Auftrag der "Neuen Deutsch Böhmischen Elbe-Schiffahrt AG" erbaut. Er hat eine Länge von 63,80 m (ohne Bugspitze), eine Breite von 15,17 m (über Radkästen) und ein Eigengewicht von 320 Tonnen.

    In 65 Jahren seiner Fahrzeit verkehrte der Dampfer auf der Strecke Hamburg - Usti nad Labem (Aussig) 657 km. Er brachte salzbeladene Kähne in die damalige CSSR und kam mit Kohle und anderen Gütern für Magdeburgs Häfen zurück. 800.000 km Gesamtfahrstrecke stehen im Logbuch. Dies entspricht in etwa einer 20-maligen Erdumrundung.

    Im April 1974 stampften die Kolben der Maschine mit ihren 625 PS zum letzten Mal. Das Hochwasser zur Jahreswende 1974 ausnutzend, wurde der SD "Württemberg"

    auf die überschwemmten Elbwiesen am Ufer des Kulturparks bugsiert und später von russischen Bergungspanzern auf das vorbereitete Kiesbett des heutigen Liegeplatzes gezogen. Von 1975 bis 1976 erfolgte der Um- und Ausbau des Dampfers unter Mithilfe vieler ortsansässiger Betriebe als Museums- und Gaststättenschiff.

    Seit dem 1. Mai 1993 wurde der SD "Württemberg" vom Magdeburger Elbeschifferverein e.V. übernommen.

     
    Größte Länge des Schiffsrumpfes ohne Steuerruder und Bugspriet
    63,80 m
    Breite der Außenhaut
    7,23 m
    Breite über Radkästen
    15,17 m
    Mittlerer Leertiefgang
    0,83 m
    Schrägliegende Zweizylinder-Verbund-Dampfmaschine
    625 PS
    Drehzahl
    35 bis 40 U/min.
    Schaufelrad-Durchmesser außen
    3520 mm
    Durchmesser des Zapfenkreises
    2800 mm
    Schaufelfläche
    3300 x 720 mm
    Besatzung
    10 Mann
     
    Dampfer Wuerttemberg

    Auf der Elbe

    Dampfer "WÜRTTEMBERG" auf großer Fahrt
     

     
    Wuerttemberg

    Der Dampfer


    "WÜRTTEMBERG"

    in Magdeburg








     
     

    Des Dampfers letzte Fahrt

    Mit vollem Flaggenschmuck auf Abschiedsfahrt

    mit Kapitän Albert Felgenträger

    felgentraeger

    Regen peitscht ins Steuerhaus. Aprilwetter. Kalt und unwirtlich ist´s draußen. Und doch bleibt diese Tour unvergessen, die letzte Schleppfahrt des Dampfers "Württemberg" am 24. April 1974. In Wittenberg kommt am frühen Morgen Kapitän Albert Felgenträger noch selbst mit dem Beiboot ans Ufer gerudert, um uns "Zeitungsleute" an Bord zu holen. Stunden später, wenige Kilometer vor Magdeburgs Hafen steht der Käpt´n auf der Kommandobrücke. Das Steuer noch einmal fest in der Hand, die 625 Pferdestärken mühelos dirigierend, so wie es die Fahrensleute jahrzehntelang von ihm gewohnt waren. Immer wieder wirft der Wind den Regen in unsere Gesichter. Doch im wettergegerbten Antlitz des Kapitäns waren es wohl nicht alles Regentropfen, die sein Handrücken von den Wangen streift. Die unvergessene Abschiedstour hatte für den letzten Seitenradschlepper der Binnenreederei schon in der CSSR begonnen, kaum daß er, festlich über die Toppen geflaggt, mit seinem Anhang in Nestemice ablegte. Festliche Verabschiedung in Decin mit Original-Böhmischer Polka, stimmungsvolle Begleitung durch Schiffe der "Weißen Flotte", des Wasserschutzes und des Wasserstraßenamtes in Dresden. Fröhliches Kinderlachen empfängt Dampfer und Besatzung beim Zwischenhalt in Aken. Doch dann in Magdeburg: Hunderte winkende Menschen - viele mit Fotoapparaten - grüßen von den Ufern, um dem Dampfer "Württemberg" - und mit ihm einer Schiffsepoche - Reverenz zu erweisen. Als wir vorüberfahren, zieht Albert Felgenträger die Dampfpfeife. Mehr als nötig. Aber´niemand nimmt ihm das "volle Rohr" übel. Immer wieder haben die Bootsleute alle Hände voll zu tun, die Schornsteine umzulegen. Es ist, als ob sich die beiden schwarzen, qualmenden Schlote mit der bunten Bauchbinde freundlich verneigen. Dom und Neubauten scheinen zurückzugrüßen. "Er hat mich nie im Stich gelassen", meint Albert Felgenträger immer wieder, wenn er von seinem Dampfer spricht. "Und dafür bekommt er auf seiner letzten Fahrt von mir auch einen schönen Blumenstrauß. Das ist so Sitte bei der Schiffahrt." Der Kapitän wird dabei nicht nur dem schweren Koloß ein Lebewohl entbieten. Er will damit auch den Heizern, Maschinisten, Bootsleuten ein herzliches Dankeschön für treue Dienste bis zu dieser letzten Fahrt sagen. Damit hat sich der verdiente Kapitän Albert Felgenträger, dem als einem der wenigen Elbe-Schiffsführer der Ehrentitel "Kapitän" verliehen wurde, selbst einen Blumenstrauß verdient. Tat er doch alles, um seinen Dampfer immer fit zu halten. "Putzlappendampfer" spöttelten einzelne, wenn es auf und unter Deck blitzte und blinkte. Zur gleichen Zeit, als 1909 Albert Felgenträger in Aken geboren wurde, lag der Dampfer "Württemberg" auf der Helling seiner Bauwerft. Getroffen haben sich Kapitän und dieses Schiff erst 1945 in Dresden-Laubegast. Albert Felgenträger übernahm ihn. Er, der schon als Kind die Planken des väterlichen Schiffes unter den Füßen hatte und mit 15 Jahren als Schiffsjunge begann. "Ich hatte keine Illusion von meinem Beruf", erzählte Felgenträger. "Ich kannte die Schwielen an den Händen meines Vaters." Nach dreijähriger Lehre wurde der Sohn Bootsmann, bezahlte den Steuermannslehrgang in den Winterpausen von den schwer verdienten Groschen selber. Das Schiffsführerpatent "für Segel und Dampf" erwarb er zu einer Zeit, als noch die schwarze Flotte der Heck-und Seitenradschlepper die Elbe auf-und abwärts qualmte. Später legte der Dampfer "Württemberg" dann selbst Monat für Monat runde 1000 Kilometer zurück - ein regelmäßiger Liniendienst wurde zwischen Magdeburg und Nestemice fahrplanmäßig betrieben. "Sechs bis sieben Kähne hingen da oftmals auf der Bergfahrt an den Trossen und ab ging die Fahrt," lachte der Kapitän und fügte hinzu: "Eine sehr gute Zusammenarbeit gab es auch mit den Kollegen der Tschechoslowakischen Elbe-Oder Schiffahrt CSPLO. Oft saßen wir in der Magdeburger Station der CSPLO beisammen, stimmten Pläne ab und vereinbarten Schlepphilfe." Durch den Maschinenraum zieht ein Hauch von heißem Öl, dem Auge bieten sich blitzende Messingarmaturen, fesselt das monotone Hin und Her stampfender Kolben. Kraftprotz Dampfmaschine. Von hier kam die Kraft, mit der scheinbar mühelos der Anhang fortgeschleppt wurde - bei Hochwasser wie bei Niedrigwasser. Mit seinem geringen Tiefgang lag der Dampfer gut im Wasser, war sehr wendig - hatte immer die bewußte Handbreit Wasser unterm Kiel. Doch wer denkt da schon an die beiden Heizer, die pro Stunde zehn bis fünfzehn Zentner Kohle aus dem Bunker heranholen und geschickt in den zwei Meter langen Feuerschlund zu schleudern hatten ? "Schwerstarbeit" meint Heizer Eugen Steinicke und fügt hinzu: "Als ich vor Jahren Lokomotiven Feuer unter dem Kessel machte, war das anstrengend. Aber hier im Schlepper ist die Feuerung noch länger. Kipproste zum Entschlacken gibt es nicht, so daß auch noch die ganze Asche herausgezogen werden muß." Das wird auch uns Landratten deutlich: Ein Schiff der Bequemlichkeit war der Dampfer "Württemberg" nie. Wenig Zeit blieb für Romantik großer Fahrenszeit. Harte Arbeit, starke Männer waren hier gefragt. "Ein Arbeitshaus war es", konstatiert nachdenklich der Kapitän. Es gibt wohl keinen Hafen an den Ufern der Elbe, in dem der Dampfer nicht festmachte. Er schleppte Schiffe voller Bernburger Steinsalz nach Nestemice in der CSSR. Steinkohle kam auf der Rücktour für Magdeburgs Großgaserei. Eisen, Baumaterial, Getreide - im Schlepp wurden die Kähne zuverlässig an ihre Zielorte zwischen Usti nad Lebem und Hamburg gebracht. Mittagspause an Bord. Die Frau des Kapitäns hat in der kleinen Küche aufgetafelt. Während wir es uns schmecken lassen, klatschen die Schaufeln jedes der beiden Seitenräder weiter kräftig ins Wasser. Wir haben Zeit zum Plaudern: Wovon der Kapitän alles erzählen kann. Natürlich vom Dampfer. Wir fahren vorbei an Dresden, Piesteritz und Vockerode. An Roßlaus Schiffswerft verlangsamen wir die Fahrt. Die Werkssirene grüßt herüber zum Veteranen, der vor 65 Jahren hier gebaut wurde. Heute feiert man wiederum Jubiläum: Das 700. Schiff seit dem Neubeginn 1945 läuft gerade vom Stapel, das vorletzte einer Serie von 25 Motorversorgungsschiffen, die einmal als schwimmende Kaufhäuser auf den Strömen der Sowjetunion verkehren werden. Vieles entlang der Elbe hat sich verändert. Nur entlang der Elbe ? Auch a u f dem Strom ist vieles anders geworden. Unsere letzte Fahrt, mit der die Ära der Dampfschiffahrt auf der Elbe für immer zu Ende ging, ist dafür wohl Beweis genug. Zum letzten Male setzte der Schlepper "Württemberg" den Elbewellen schäumende Kronen auf. Der Kapitän winkt ab:"Wer weiß, wer weiß, ob wir nicht doch noch einmal fahren werden".


    Der Dampfer "Württemberg" liegt als Museumsschiff auf den Elbwiesen in Magdeburg
    Kulturpark Rothehorn und ist zur Besichtigung geöffnet:
    Dienstag bis Freitag von 10.00 bis 16.00 Uhr
    Samstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr.


    Bericht Galky © 2002






    Veröffentlicht am:
    16:27:43 05.05.2002

    Autor:
    Galky

    Letzte Aktualisierung
    16:29:35 05.02.2016