Vereinigte Schiffervereine von Alsleben und Umgebung

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Das Aus für „Kehrwieder“

20.06.2014 16:48:00 | sylke hermann

aken/MZ. In Aken steht der Schifferverein „Kehrwieder“, der sich um die Tradition der Akener Schiffervereine seit 1848 kümmerte, vor dem Aus. Das Vereinsdomizil am Hornhafen ist inzwischen fast vollständig geräumt.

Der Schifferverein „Kehrwieder“ in Aken löst sich auf. „Es bringt nichts mehr. Der demografische Faktor hat zugeschlagen“, fasst Helmut Bandau die ausweglose Situation zusammen. Bandau ist von Anfang an Vorsitzender des 1995 wiedergegründeten Vereins. Und auch wenn es ein schönes Ziel gewesen wäre, gemeinsam den 20. Geburtstag zu feiern – „Mit wem denn? Wir sind nur noch fünf Mitglieder.“ Die letzten fünf von zwischenzeitlich über 30.

Der Verein hat sich gegründet, um die Tradition der Akener Schiffervereine seit 1848 weiterzuführen. Man wollte seinen Teil dazu beitragen, dass die Schifferstadt Aken nicht in Vergessenheit gerät, den Zusammenhalt derer, die mit Schifffahrt zu tun haben, stärken. „Wir haben uns auch politisch eingemischt, unsere Meinung gesagt“, bestätigt Bandau. Etwa zum Zustand der Elbe und dass es dringend nötig wäre, den Fluss vernünftig zu unterhalten. „Aber es hat ja keiner zugehört“, ärgert sich der 69-Jährige heute.

Fehlende Lust

Hans Prügel, 76 Jahre alt und wie seine Frau augenzwinkernd sagt, „der einzige Käpt’n im Verein“, kann auch nur mutmaßen, warum der Verein nicht länger bestehen konnte: „Die Leute hatten irgendwann keine Lust mehr, sich zu engagieren; sie hatten andere Interessen.“ „Oder sie sind zu alt oder verstorben“, ergänzt seine Frau Waltraud. Sie sei schließlich auch schon 77 und sehe nicht mehr ein, sich weiter einzubringen, wenn so wenige nur mitmachten. Anfangs traf man sich sogar zweimal die Woche, mittwochs und sonntags.

Das Vereinsheim in der Nähe der Fähre herzurichten, kostete anfangs viel Kraft. Manch einem fehlten bald schon Freude und Geduld, hier mit anzupacken.

Und dann war da ja noch die Rohrweihe, ein Traditionsschiff, dass der Verein kurz nach seiner Gründung für einen symbolischen Euro und eine Menge Pflichten übernommen hatte. „Wir haben versprochen, uns darum zu kümmern“, sagt Waltraud Prügel. Der 1926 gebaute Motorschlepper lag lange im Akener Hafen und wurde hier als Bugsierer eingesetzt. Keiner wollte ihn später haben. ABM-Kräfte, erinnert sich der Verein, hatten es dann irgendwann komplett auseinandergenommen und wieder aufgebaut. Danach ging es in die Obhut vom Schifferverein „Kehrwieder“ über.

Vereinsdomizil ausgeräumt

Das Objekt bescherte den Vereins-Mitgliedern eine Menge Arbeit, erinnert sich Hans Prügel. „Einmal im Monat mussten wir die Maschine starten und das Schiff fahrbereit machen.“ Obwohl es an Land lag. Aber das sei nötig gewesen, damit die Maschine im übertragenen Sinne nicht einrosten konnte. Beim Festumzug zum 850. Stadtgeburtstag vor zwei Jahren fuhr die Rohrweihe mit.

Das Vereinsdomizil am Hornhafen ist mittlerweile nahezu ausgeräumt. Karl-Wilhelm Francke pflegt ringsum noch immer die Außenanlage, mäht den Rasen - aus Pflichtbewusstsein. „Zum Glück“, ist Vereinschef Helmut Bandau erleichtert, „sind wir kein eingetragener Verein; das erspart uns eine Menge Bürokratie.“ Schon letztes Jahr sei er, Bandau, zum Bürgermeister gegangen, um anzukündigen, dass man sich auflösen wird. „Gefallen“, erinnert er sich, „hat ihm das nicht. Aber was sollen wir machen?“

Keine Abschiedsveranstaltung

Das Hochwasser habe den letzten Ausschlag gegeben. Da hatten die Leute mit sich zu tun und noch weniger Zeit und Kraft für den Verein. „Die Luft“, weiß Waltraud Prügel, „war endgültig raus.“ In Speyer, Lauenburg, Roßlau, Magdeburg, Berlin, Tangermünde oder Alsleben – dorthin hatte der Schifferverein „Kehrwieder“ freundschaftliche Bande geknüpft – habe man die Entscheidung sehr bedauert, weiß sie. 14 Schifferbälle hat Waltraut Prügel mit viel Herzblut vorbereitet. „Wir hatten Spaß. Sie sind immer gern gekommen. Bei uns war es richtig gemütlich.“

Einen Abschiedsball soll es nicht geben. Auch keine offizielle Abschiedsveranstaltung. Waltraud Prügel: „Wir setzen uns noch mal zusammen, trinken eine Tasse Kaffee und schwatzen ein bisschen.“ Das war’s dann.