Kies-Seen als Abk├╝rzung

14.02.2012 16:43:00 | TORSTEN ADAM

In die Debatte um den Bau des umstrittenen Saale-Seitenkanals bei Tornitz (Salzlandkreis) kommt Bewegung - durch eine neue Trassenführung. Erarbeitet hat den Plan der Schönebecker Diplom-Ingenieur Christian Jung, der seit 40 Jahren in der Wasserwirtschaft arbeitet und beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz angestellt ist. Jung schlägt unter anderem vor, im Gegensatz zur bisherigen Planung mehrere Kies-Seen in die Kanalführung einzubeziehen. So könne die Strecke verkürzt und die Investitionssumme von 100 Millionen Euro halbiert werden. Während das Landesverkehrsministerium positiv reagiert, lehnen Umweltschützer den Plan ab.
Der Saale-Seitenkanal soll die Lücke von der Schleuse Calbe bis zur Elbe schließen. In diesem Bereich fließt die Saale stark kurvig und ist damit vor allem für große Transportschiffe kaum nutzbar. Ob der Kanal ökologisch und ökonomisch vernünftig ist, ist indes heftig umstritten.

Ingenieur Jung glaubt, einige Asse im Ärmel zu haben: "Ich schlage vor, die Kies-Seen mit Stichkanälen zu verbinden, saaleseits eine Schleuse zu bauen und diese Wasserwege als Saale-Seitenkanal zu nutzen." Vorbild sei für ihn die Havelregion, wo die Schiffe ebenfalls auf Kanalstücken und Seebereichen fahren. Es müssten keine Deiche gebaut werden und die flachen Ufer würden ökologisch und touristisch aufgewertet. "Die Firmen, die dort Kies abbauen, könnten das Material direkt auf Schiffe verladen und abtransportieren." Eine solche Trassenführung sei ökologisch verträglicher und helfe auch, die Grundwasserprobleme in der Region zu lösen.

Für das Magdeburger Verkehrsministerium haben die Pläne Jungs durchaus Hand und Fuß. "Diese Variante stellt einen gangbaren Weg dar, der weiterverfolgt werden sollte", sagte Ministeriumssprecher Harald Kreibich auf MZ-Anfrage. Das Ministerium werde nun die Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes bitten, vertiefende Untersuchungen vorzunehmen und nach Möglichkeit die neue Variante in der momentan laufenden Wirtschaftlichkeitsprüfung zu berücksichtigen.

Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, spricht hingegen von einer "abstrusen Idee, die weit weg von der Realität ist." Der Vorschlag passe aus seiner Sicht in die Karnevalszeit. Der Bedarf für eine wirtschaftliche Nutzung der Saale sei - egal durch welche Erschließungsvariante - nicht gegeben.