Alslebener Schiffer wettert gegen Ramsauer

30.07.2011 16:03:00 | Mitteldeutsche Zeitung
BERNBURG/MZ. Es ist ein streitbares Thema: Den Ausbau des letzten Stückes der Saale bei Calbe sehen die einen als wirtschaftlich notwendig an, die anderen halten dagegen, dass es unsinnig ist, wenn die Wirtschaft nicht so viele Güter auf dem Wasserweg transportiert, wie sie angibt. Nun steht das Projekt vor dem Aus.

Ernst-Wilhelm Wehlmann ist Befürworter des Saaleausbaus. Daraus macht der Schiffer, der bis vor zwei Jahren als Schiffsführer und Lotse in ganz Europa unterwegs war und es auch bald wieder sein will, keinen Hehl. Als Vorsitzender der Schiffervereine Sachsen-Anhalts hat er auch in dieser Frage Gewicht, wenn es um fachliche Fragen geht. Das zumindest dachte er, ohne sich darauf etwas einzubilden, sei der Fall, wenn er sich mit Anliegen in der Sache an Ministerien oder andere Stellen der Politik wandte.

Doch dann stieß er an seine Grenzen und das findet der 72-jährige Alslebener unhöflich. Die Grenze heißt Peter Ramsauer. Der ist Verkehrsminister und kommt von der bayrischen CSU. Ramsauer mache Politik aus Sicht Bayerns und nicht für die deutsche Schifffahrt, ist sich Wehlmann sicher. Denn dass zum einen der Bau des Kanals bei Calbe gestoppt wurde und die Saale als Bundeswasserstraße entwidmet und zur Restwasserstraße herabgestuft wird, sei schon schlimm. Doch dass Argumente nicht gehört und Schreiben nicht beantwortet werden, das sei bei Wehlmanns Bemühungen um die Schifffahrt einmalig. "Das ist nicht nur eine Herunterwürdigung unseres Anliegens, sondern der Menschen der ganzen Region", schießt Wehlmann seine Pfeile zum Bayern nach Berlin ab.

Nun bekam er indirekt eine Antwort. In der MZ sagte eine Sprecherin des Ministeriums, dass man keine Panik machen solle und die Saale auch ohne Saalekanal eine Wasserstraße bleibe. Dass man sie anders eingruppiere, sei nur eine Frage der Tonnage.

Es habe doch nichts mit Panikmache zu tun, meint Wehlmann. "Wir schlagen Alarm, weil wir die Entscheidung für falsch halten. Mehr nicht." Dass die Tonnage als Grundlage gelte, sei für ihn aber ein Hohn. "Das ist wie, wenn man eine Autobahn fertig baut, bis auf den Anschluss ans Straßennetz, um dann zu sagen, wir brauchen die Autobahn nicht, denn es fahren keine Autos drauf", spricht Wehlmann bildhaft. "Wenn der Kanal nicht kommt, dann können doch gar nicht mehr Tonnagen befördert werden, weil keine großen Schiffe Calbe passieren können."

Die Befürchtungen sind nicht ganz von der Hand zu weisen, denn nach Definition des Verkehrsministeriums haben entwidmete Wasserstraßen keine Bedeutung für den Gütertransport und nur eine geringe für die Personenschifffahrt und den Wassertourismus. Die Renaturierung soll in den Vordergrund rücken. "Verbunden ist damit die dauerhafte Stilllegung von Anlagen", sagt Wehlmann. Das könne ab 2012 schon los gehen.

Einhergehen würde damit, dass der Fluss verlandet. "Nach dem letzten Hochwasser beträgt die Wassertiefe, die sonst durchgängig bis Halle bei mindestens 1,90 Meter lag, nur noch 1,59 Meter. Nach jedem Hochwasser wird mehr Sand und Erde in die Fahrrinne gespült", begründet Wehlmann seine Ansicht.