Das Modell eine Schleppdampfers von 1910 fand großen Anklang. Beim anschließenden Festumzug durch Alsleben präsentierten sich die 20 Schiffervereine aus Deutschland. Zuvor hatten sie eine Resolution für das Einleiten des Planfeststellungsverfahren für den Kanal bei Tornitz verabschiedet. (FOTO: E. PÜLICHER)
Alsleben/MZ - VON ANDREAS BRAUN. Eine Resolution geht vom 56. Schiffertag an den Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Der Schiffertag in Alsleben, der Schiffervereine aus ganz Deutschland vereint, fand erstmals in den neuen Bundesländern statt. Er fordert Ramsauer auf, das Planfeststellungsverfahren für den Saale-Seiten-Kanal bei Tornitz einzuleiten. Die Forderung wurde von mehreren Rednern aus Politik und Wirtschaft unterstützt. Landesverkehrsminister Karl-Heinz Daehre machte deutlich, dass nach dem abgeschlossenen Raumordnungsverfahren, die Planfeststellung erfolgen müsse. Es sei klar, dass der Kanal von der Saale zur Elbe umweltverträglich sei.
Daehre kritisierte, dass im Bundeshaushalt elf Milliarden Euro im Topf für den Verkehr sind, aber nur rund 265 Millionen für die Wasserstraßen zur Verfügung stehen. "Das ist ein Ungleichgewicht. Hier muss etwas geändert werden." 100 Millionen Euro kostet der Durchstich bei Tornitz. "Die Bauzeit wird mindestens drei Jahre betragen. Das sind etwas mehr als 30 Millionen Euro pro Jahr." Das sei doch sicher planbar, meinte Daehre. Der Minister sprach sich dafür aus, die Binnenschifffahrt mehr im Fokus künftiger Verkehrsentwicklungen zu haben. "Die Wirtschaft braucht einen guten Mix aus Straße, Schiene und Schifffahrt."
Dass man immer noch an dem Thema dran sei und auf eine Entscheidung dränge, hatte Matthias Lietz (CDU / CSU-Fraktion im Bundestag) in einem Grußwort verlauten lassen. Der Sprecher der Parlamentarischen Gruppe Binnenschifffahrt ließ in Alsleben durchblicken, dass er für die Einleitung des Planfeststellungsverfahren ist.
Dass nach einem Bau des Kanals die abgetrennte Saale ein einzigartiges Naturarreal wird, davon ist Matthias Menzel überzeugt. Der Präsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion rechnet damit, dass Mitte des Jahres die Entscheidung über die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens fällt.
Vieles spreche für den Bau. Eine Wirtschaftlichkeitsstudie habe gezeigt, dass der Nutzen höher sei als die Kosten. "Jeder investierte Euro zieht Investitionen von 2,30 Euro nach sich", so Menzel. Die Industrie könne 2,5 Millionen Tonnen Güter transportieren.
Allein das Solvaywerk, so machte Werkleiter Thomas Müller klar, werde von den produzierten 140 000 Tonnen Soda die Hälfte per Schiff transportieren. Die Schiffbarkeit eines Flusses ist für einen Chemiebetrieb ein wichtiger Standortfaktor, so Müller.
Wenn Binnenschiffe über den Mittellandkanal Soda, das aus den USA kommt, nach Haldensleben bringen, griff Daehre das Argument auf, dann spreche das für die Verbesserung der Saaleschifffahrt. Denn offensichtlich sei der Transport von Bernburg nach Haldensleben per Lkw zu teuer.