20:43:28 28.02.2012
![]() |
![]() |
|
|
|
![]() |
![]() |
|
|
|
|
Bilder vom traditionellen Festumzug in Rathen am 01.02.2003 |
|
95 Jahre "Schifferverein Rathen e. V."
Am Samstag, dem 1.Februar 2003, begaben sich insgesamt 12 Mitglieder des Schiffervereines "Undine" Alsleben auf den weiten Weg zum Kurort Rathen in der Sächsischen Schweiz, um an der Festveranstaltung zum 95. Jahrestag des Schiffervereines Rathen teilnehmen zu können. Die Fahrt führte über die Autobahn bis zur Abfahrt Dresden. In der idyllisch gelegenen Gaststätte "Hockstein" in Hohenstein wurde eine kurze Mittagpause eingelegt, bevor es zügig nach Rathen weiter ging. Die Sächsische Schweiz ist ja bekanntermaßen im Sommer ein Urlaubermagnet; aber wenn der Schnee die Landschaft verzaubert, ist sie mindestens genau so reizvoll.
Bei der Ankunft in Rathen hörten wir schon von weitem fröhliche Musik. Es blieb nur Zeit, die mitgebrachten Koffer in die Zimmer der Pension "Lug ins Land" zu stellen, dann ging es eilends auf den Platz "Sonniges Eck" des Kurortes. Der ansässige Schifferverein begrüßte die angereisten Vereine aus Reinhardtsdorf, Schmilka, Prossen, Königsstein, Stadt Wehlen, Roßlau und Alsleben.
Unter den fröhlichen Klängen der Schalmeienkapelle aus Bad Gottleuba zogen die Mitglieder der Vereine, aber auch deren Angehörige und die Bürger der Stadt durch die Straßen von Rathen. Zur Freude aller Gäste boten Marketenderinnen in anmutigen Trachten ihre Waren, wie Schnäpschen vom Faß, aber auch deftige Fischsemmeln, feil.
Im Kurtort Rathen - so scheint es nicht nur auf den ersten Blick - sind alle Einwohner mit der Tradition des Schiffervereines verbunden; vom kleinen Kind über die Schulkinder, die Ju-gendlichen bis zu den "alten Hasen".
Die Tradition des Schiffervereines, so erzählte Frau Friedrich, die Vorsitzende des Vereines seit 2001 ist, wird von den Eltern schon an die Kleinsten übertragen. Die Kinder und die Jugendlichen sind voller Begeisterung dabei und haben selbst Ideen, wie Traditionen gewahrt und weiter geführt werden.
Mir hat z. B. ganz besonders imponiert, wie traditionsbewußt die Kinder in selbst genähten Matrosenanzügen Schiffsmodelle im Festumzug auf den Schultern durch die gesamte Stadt trugen. Auch die Jugend des Ortes scheint fest verwurzelt und verwachsen mit ihren Matrosenanzügen. Sie marschierten mit Freude und fröhlichen Sprüchen. Und am Abend beim Fest waren sie bei fröhlicher Discomusik ganz eifrig beim Tanzen und Singen.
Mit im Festumzug waren die "Brezenmännel", die ihre Mäntel mit frisch gebackenen Brezeln behängt hatten. An den Hüten befanden sich die "Würstl". Wem nun nach Brezeln oder Würstchen war, mußte diese vom Mantel und vom Hut stehlen. Allerdings hatten die Brezen-männerl Ruten dabei, und wen sie beim Stehlen erwischten, dem schlugen sie mit den Ruten kräftig ein paar über.
Der erste Halt des Festumzuges war am Kriegerdenkmal; dort wurde ein Kranzgebinde unter den Klängen der Schalmeienkapelle nieder gelegt. Auch eine Schweigeminute wurde einge-halten.
Weiter führte der Festumzug die Mitglieder der Schiffervereine, die ihre Vereinsfahnen im reichlich kalten Wind flattern ließen, durch die engen und reizvollen Straßen und Gassen des Kurortes. Vorbei ging es an schon wieder aufgebauten Gebäuden, aber auch an solchen, denen noch die Folgen des verheerenden Hochwassers des Jahres 2002 anzusehen waren. Einige Gesenksteine zeigten an, bis zu welcher Höhe die Wassermassen sich im Ort aus-gebreitet hatten und schwere Zerstörungen nach sich zogen.
Man hatte den Eindruck - und dies dokumentierete sich in vielen Gesprächen in den nächsten Stunden im Ort - die Bewohner haben den großen Schreck des Hochwassers bereits über-wunden; sie haben Mut geschöpft und bauen auf, was noch zu retten ist. Dazu allerdings bedarf es noch viel Mühe und Arbeit. Aber an diesem Wochenende stand fest: Es wird gefeiert - trotz oder gerade wegen - der vielen Arbeit , die es noch zu bewältigen gilt.
Da die Elbe den Kurort in zwei Teile schneidet, mußte der gesamte Festumzug die Elbe mit der Fähre überqueren. Auf der anderen Seite des Kurortes wurde der Umzug fortgesetzt, dann ging es wieder zurück über die Elbe und auf den Marktplatz des Ortes zurück.
Viele Schaulustige, ob nun Einwohner oder Gäste, standen in den Straßen und freuten sich mit an der Vielfalt der Fahnen, Schärpen und Wimpel.
Der zweistündige Umzug und die kalte und frische Luft hatten Appetit auf Kaffee und Ku-chen gemacht. Im gerade renovierten und neu eröffneten "Haus des Gastes und der Feuer-wehr" standen festlich gedeckte Tische bereit für die Hungrigen und Durstigen. Davon wurde auch reichlich Gebrauch gemacht. Allerdings mit einem Blick auf die Uhr, denn zum fest-lichen Schifferball, der 19.00 Uhr im Hause begann, sollte doch wenigstens Zeit sein, sich frisch zu machen und die entsprechende Kleidung anzuziehen.
Pünktlich um 19.00 Uhr wurde dann auch im "Haus des Gastes" der Schifferball 2003 durch die Vorsitzende des gastgebenden Schiffervereines, Frau Margit Friedrich, eröffnet. Sie be-grüßte die von nah und fern angereisten Gäste und wünschte ihnen ein paar fröhliche und un-beschwerte Stunden im gerade rechzeitig zu diesem Anlaß fertig gestellten Gästehaus. Beim Faheneinmarsch der Gastdelegationen erhoben sich alle Festgäste von ihren Plätzen.
In den nachfolgenden Stunden wurde nicht nur fröhlich getanzt und gesungen; es wurden auch ernsthafte Gespräche geführt, denn in den Fluren und Aufgängen hingen die Bilder der schrecklichen Flut des vergangenen Jahres. Und so schnell sind die Folgen dieser Katastrophe nicht zu beseitigen, auch wenn es - so betonte Frau Friedrich - Soforthilfen und Spenden gab. Ganz besonders hob sie die großzügige Spende der Partnergemeinde Oetigheim hervor; von dort erhielten die Rathener 140 000 Euro. Aber auch all die anderen Spenden wurden mit großer Dankbarkeit entgegen genommen. So erzählte z. B. die Schatzmeisterin des Schiffer-vereines Rathen, Frau Martina Winkler, die sich in einem reizenden Kostüm als Marketenderin an der Versorgung mit kleinen Leckereinen beteiligte, daß die Spende des Schiffervereines "Undine" Alsleben an 21 Bedürftige aufgeteilt wurde. Der Sprendenbetrag in Höhe von 1.105,00 Euro war in Alsleben gesammelt und im Spetember des Jahres 2002 nach Rathen gebracht worden.
Die Vorsitzende des Schiffervereines Rathen, Frau Friedrich, zeigte uns am Sonntagmorgen beim abschließenden Gespräch im Gästehaus Bildmappen von der Flutkatrastrophe 2002 und erläuterte anschaulich, was sich in der Zeit der der Kastrophe, der Unsicherheit und der Sor-gen, aber auch danach im Ort abgespielt hat. So erwähnte sie z. B., dass das letzte " Jahrhun-derthochwasser" im Jahre 1845 noch ca. 40 cm höher gestanden habe als das von 2002. Und jedes Mal sei von den Einwohnern wieder die Kraft und Entschlossenheit zu spüren gewesen, Gebäude, Straßen und Anlagen wieder herzurichten. Jetzt im Winter, so ihre Ausführungen, herrsche im Ort eine Ruhe im Tourismusbereich, aber im Sommer, da kommen hoffentlich wieder so zahlreich die Touristen, um sich an der schönen Elbelandschaft und am Elb-sandsteingebirge zu erfreuen. Und damit alles rechtzeitig wieder schön und vorzeigbar ist, muss man eben tüchtig anpacken und nach vorn schauen.
Da fällt mir doch noch abschließend ein Spruch ein, den ich in einer Gaststätte als Spruch-band an der Wand gesehen habe, der die positive Einstellung bestätigt:
"Was Sachsen sinn vom rechten Schlaach, die sind nich totzukriechen,
trifft sie ooch Kummer Daach vor Daach, ihr froher Mut werd siechen."
Und dass sie mit frohem Mut und viel Fleiß weiter bestehen mögen - das wünschen wir ihnen von Herzen.
Am gleichen Wochenende waren 4 Mitglieder des Schiffervereines "Undine e. V." in Rhauderfehn zu Gast; 2 weitere Mitglieder fuhren zum Schifferball nach Zehdenick.
Bericht: Elter © 2003